Informationen über Ägypten


Kurzüberblick - zahlen & fakten zu ägypten

Name:
Bevölkerungszahl:
Hauptstadt:
Staatsstruktur:
Regierungschef:
Nachbarstaaten:
Landessprache:
Religion:
Währung:

Arab Republic of Egypt
102,3 Mio. (World Bank)
Kairo
Präsidentielle Republik
Abd al-Fattah as-Sisi (seit 2014)
Israel, Libyen, Sudan, Gaza Streifen (Palestina) 
Arabisch
Islam
1 Ägyptisches Pfund = 0,056 € (Stand: 10. Feb. 2022)



Einige Fakten

Die Al-Azhar-Universität in Kairo gilt als die wahrscheinlich älteste Universität der Welt. Sie wurde als Zentrum für den Unterricht in arabischer Literatur, islamischem Recht und Theologie gegründet. Heute bietet sie neben ihrem traditionellen Studiengang auch technische Fächer an.

Der Nil ist der längste Fluss der Welt.

Der Suezkanal ist eine der wichtigsten Handelswasserstraßen der Welt. Der Kanal und der Isthmus von Suez bilden die traditionelle Grenze zwischen Afrika und Asien.

 

Geschichte

Trotz der formalen Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien im Jahr 1922 war Ägypten vor allem im zweiten Weltkrieg weiterhin eng an das Britische Empire gebunden als wichtige Handels- und Truppentransport-Route. Nach wachsender Unzufriedenheit mit der Regierung, die enge Beziehungen zur britischen Regierung pflegte, kam es 1953 zur Revolution darauf folgend zur Ausrufung der Republik. 

In den folgenden Jahren führte der ökonomisch und strategisch wichtige Suez-Kanal immer wieder zu Konflikten zwischen Ägypten und dem neu gegründeten Nachbarland Israel, unter anderem zum Sechstagekrieg im Jahr 1967. Anschließend kam es zu Friedensverhandlungen zwischen den beiden Ländern, die 1979 in einem Friedensvertrag formalisiert wurden. 1981 begann die 30-jährige Regierungszeit von Husni Mubarak, der das Land zu einer der führenden arabischen Nationen ausgebaute. Seine Zeit als Präsident Ägyptens endete 2011 mit einer Revolution und einem darauffolgenden Militärputsch. In der Folgezeit kam es immer wieder zu politischen Turbulenzen.

 

Wirtschaft

Die zuvor eher sozialistische Planwirtschaft Ägyptens wurde ab den 1970er Jahren unter Präsident Anwar as-Sadat liberalisiert und nach außen geöffnet. Seitdem verfolgt Ägypten einen offeneren Ansatz, diversifizierte seine Wirtschaft und ging zu einer marktorientierten Strategie und Öffnung für ausländische Investoren über. Allerdings blieben einige zentrale wirtschaftliche Bereiche weiterhin im staatlichen Besitz. 

Nach der nationalen Vision 2030 soll die Wirtschaft, gemessen am nominalen BIP, nach Nigeria die zweitgrößte des Kontinents werden. Seit 2021 steht Ägyptens Wirtschaft auf Platz 36 der Weltrangliste. Mit der neuen Wirtschaftsvision sollen wichtige Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut deutlich verringert werden. In Ägypten herrscht nach wie vor eine hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen.

Das Land verfügt über eine starke Währung und wird von externen Akteuren finanziell gut unterstützt.

Der Suezkanal kam nach seiner Fertigstellung vor allem den Seehandelsmächten der Mittelmeerländer zugute, die nun viel schneller als die nord- und westeuropäischen Seehandelsnationen wie Großbritannien oder Deutschland über Verbindungen in den Nahen und Fernen Osten verfügten.

Zu den etabliertesten ägyptischen Industriezweigen gehören: Tourismus, Textilproduktion, Lebensmittelverarbeitung, Kohlenwasserstoffe, Chemie, Pharmazie, Bauwesen, Zement- und Metallherstellung sowie verarbeitendes Gewerbe. Warmes Wetter und reichlich Wasser sind die Gründe dafür, dass die Landwirtschaft auch eine der wichtigsten Wirtschaftszweige ist. Der Boden wird intensiv bewirtschaftet und die Erträge sind hoch. Zunehmend werden einige moderne Techniken eingesetzt, um neben Baumwolle auch Obst, Gemüse und Blumen für den Export zu produzieren.

Der informelle Sektor der Wirtschaft ist relativ groß und macht zwischen 30 und 60 % des BIP aus. Unternehmen die Verbindungen zur Regierung haben, werden beim Durchlaufen des schwerfälligen ägyptischen Regelwerks häufig bevorzugt behandelt, was den Wettbewerb behindert. Ein ineffizientes und nur sporadisch durchgesetztes Rechtssystem und eine weit verbreitete Korruptionskultur machen die Unternehmen von Mittelsmännern (bekannt als wasta) abhängig, und gut vernetzte Unternehmen genießen eine Vorzugsbehandlung.

 

Politik 

Seit einem Verfassungsreferendum von 2014 zählt Ägypten de jure als semipräsidialer Einheitsstaat, der auf dem islamischen Recht, der Scharia, basiert. Präsident ist seit dem Militärputsch gegen die von Mohammed Mursi geführte Regierung Abd al-Fattah Al-Sisi, der ehemalige Militärratschef. Besonders seit dem Sturz Mursis verbesserten sich Ägyptens Beziehungen zu Russland, während das Verhältnis mit den Vereinigten Staaten angespannt ist, da diese nach dem Umsturz zunächst finanzielle Hilfe einfroren. Während der Flüchtlingskrise sprang der Westen jedoch wieder vorübergehend mit finanziellen Hilfen ein, um ein instabiles Ägypten zu verhindern. 

Ägypten ist Mitglied der UN, der Welthandelsorganisation, der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga. Ägypten nimmt eine wichtige Rolle im israelisch-palästinensischen Konflikt ein. Die auf Verständigung mit Israel ausgerichtete Politik wird von Islamisten – unterstützt von Iran, Libyen und Sudan – dazu genutzt, gegen den Staat Ägypten zu opponieren. Seit 2015 arbeitet Al-Sisi eng mit Israel in der Bekämpfung von Terroristen in der Sinai Region zusammen. Gleichzeitig griff as-Sisis Regierung offiziell Israel in Reden und Artikeln stets erneut an. 

 

Bevölkerung 

Ägypten ist das bevölkerungsreichste Land in der arabischen Welt und das drittbevölkerungsreichste auf dem afrikanischen Kontinent, mit etwa 102 Millionen Einwohnern. Die Bevölkerung wuchs in den letzten 50 Jahren aufgrund des medizinischen Fortschritts und der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität rasch an.  

Die ägyptische Bevölkerung ist stark urbanisiert und konzentriert sich entlang des Nils (vor allem Kairo und Alexandria), im Delta und in der Nähe des Suezkanals. Die ägyptische Bevölkerung teilt sich demografisch in die Bewohner der großen städtischen Zentren und die Fellachen oder Bauern, die in ländlichen Dörfern leben. Die gesamte bewohnte Fläche beträgt nur 77.041 km², so dass die physiologische Dichte bei über 1.200 Menschen pro km2 liegt.

Schätzungsweise 2,7 Millionen Ägypter leben im Ausland. Etwa 70 % der ägyptischen Migranten leben in arabischen Ländern, die restlichen 30 % halten sich hauptsächlich in Europa und Nordamerika auf. 

Ägypten hat die größte muslimische Bevölkerung in der arabischen Welt und die sechstgrößte muslimische Bevölkerung der Welt und beherbergt 5 % der muslimischen Bevölkerung der Welt. Ägypten hat auch die größte christliche Bevölkerung im Nahen Osten und in Nordafrika. Ägypten ist ein überwiegend sunnitisches muslimisches Land mit dem Islam als Staatsreligion. 

Ägypten ist eines der jüngsten Länder der Welt, das Durchschnittsalter beträgt 24.6 Jahre.   Schätzungsweise 51,2 % der Ägypter sind unter 25 Jahre alt, und nur 4,3 % sind älter als 65 Jahre. 

Mit 99,7 % der Gesamtbevölkerung sind die Ägypter die bei weitem größte ethnische Gruppe im Land. Zu den ethnischen Minderheiten gehören die Abazas, Türken, Griechen und arabische Beduinenstämme, die in den östlichen Wüsten leben. 

Etwa 5 Millionen Einwanderer leben in Ägypten, vor allem Sudanesen, von denen einige schon seit Generationen in Ägypten leben. Eine geringere Zahl von Migranten kommt aus dem Irak, Äthiopien, Somalia, Südsudan und Eritrea.

 

Kultur 

Ägypten kann auf über 6000 Jahre Kulturgeschichte zurückblicken. Das alte Ägypten gehörte zu den ersten Zivilisationen und behielt über Jahrtausende hinweg eine enorm komplexe und stabile Kultur, die spätere Kulturen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika beeinflusste. Heute sind viele Aspekte der alten ägyptischen Kultur immer noch präsent und spielen mit neueren Elementen zusammen, unter anderem dem Einfluss der modernen westlichen Kultur.

Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistigen und kulturellen Zentren der arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der renommierten islamischen Hochschule al-Azhar und des Oberhaupts der koptisch-orthodoxen Kirche. Sie gilt als wichtigstes Zentrum des arabischen Buchmarkts und beheimatet große Bibliotheken, Museen und das erste Opernhaus der arabischen Welt. Darüber hinaus gibt es in Ägypten eine aktive unabhängige Kulturszene, die allerdings seit 2015 als Treffpunkt freier Meinungsäußerung immer häufiger verstärkter staatlicher Kontrolle und Repression unterliegt.  

Ägypten ist als kultureller Vorreiter der arabischsprachigen Welt bekannt, weshalb die zeitgenössische arabische Kultur sehr von ägyptischer Literatur und Musik sowie ägyptischen Filmen und Fernsehen geprägt wird. Ägypten hat die höchste Anzahl von Nobelpreisträgern in Afrika und der gesamten arabischen Welt.